So prüft der Thurgau dein Wissen
Im Thurgau liegt die Prüfung bei der Gemeinde. Nach dem kantonalen Bürgerrechtsgesetz werden die Kenntnisse der örtlichen, kantonalen und schweizerischen Lebensverhältnisse durch einen Test oder im Gespräch ermittelt, sofern sie nicht offenkundig vorhanden sind. In der Regel führt die Einbürgerungskommission ein persönliches Gespräch, viele Gemeinden haben zusätzlich einen eigenen schriftlichen Grundkenntnistest.
Einen einheitlichen kantonalen Test und einen kantonalen Fragenkatalog gibt es nicht. Der Regierungsrat hat 2014 festgehalten, dass der Kanton dafür nicht zuständig ist. Gemeinden dürfen den Kurs «Die Schweiz kennen und verstehen – Attest Grundwissen» des GBW Weinfelden verlangen. Fragen zu Gemeinde und Bezirk gehören dazu.
Was du über den Kanton Thurgau wissen solltest
- Gliederung: Hauptort ist Frauenfeld. Der Kanton hat seit 2011 fünf Bezirke: Arbon, Frauenfeld, Kreuzlingen, Münchwilen und Weinfelden, dazu 80 Politische Gemeinden und rund 300 000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Verfassung von 1987 schaffte den Gemeindedualismus ab. Bei eidgenössischen Abstimmungen gelten die Auslandschweizer als «81. Gemeinde».
- Behörden: Der Grosse Rat hat 130 Mitglieder und tagt im Sommer in Frauenfeld, im Winter in Weinfelden. Die Bezirke sind seine Wahlkreise. Der Regierungsrat hat fünf Mitglieder und wird vom Volk im Majorz gewählt. Die höchsten Gerichte sind Obergericht und Verwaltungsgericht. Die heutige Verfassung gilt seit 1990.
- Volksrechte: Eine Initiative braucht 4000 Stimmberechtigte, ein Referendum 2000 innert drei Monaten. Auch 30 Mitglieder des Grossen Rates können eine Volksabstimmung verlangen. Verfassungsänderungen kommen immer vors Volk.
- Geschichte: 1460 eroberten die Eidgenossen den Thurgau, danach war er bis 1798 gemeinsam verwaltetes Untertanengebiet. Im März 1798 erlangte er die Freiheit, 1803 wurde er Kanton. Von 1713 bis 1797 tagte die Tagsatzung in Frauenfeld. Die Verfassung von 1869 brachte die direkte Demokratie, und 1875 wurde Fridolin Anderwert erster Thurgauer Bundesrat.
- Geografie: Der Thurgau liegt am Bodensee und Untersee, grenzt an Deutschland sowie an Schaffhausen, Zürich und St. Gallen. Die Thur gab ihm den Namen, der höchste Punkt ist der Hohgrat.
- Wirtschaft und Kultur: Wegen der vielen Obstbäume heisst der Kanton scherzhaft «Mostindien». Stadler Rail hat seinen Sitz in Bussnang. Auf Schloss Arenenberg liegt das Napoleonmuseum, in der Kartause Ittingen das Kunstmuseum Thurgau, und in Kreuzlingen die Pädagogische Hochschule.
Ablauf der Einbürgerung im Kanton Thurgau
Das Gesuch reichst du bei deiner Politischen Gemeinde ein. Sie prüft deine Kenntnisse mit Test oder Gespräch und erteilt das Gemeindebürgerrecht. Danach folgt die Einbürgerungsbewilligung des Bundes durch das Staatssekretariat für Migration (SEM). Das Kantonsbürgerrecht verleiht der Grosse Rat.
Der Thurgau verlangt Deutsch auf B2 mündlich und B1 schriftlich, also mehr als das Bundesminimum. Die Wohnsitzfrist beträgt fünf Jahre im Kanton, davon die letzten drei ohne Unterbruch in der Gemeinde. Das Kantonsbürgerrecht kostet 800 Franken für Erwachsene und 400 Franken bis 18 Jahre, dazu kommen Gemeinde- und Bundesgebühr.
So bereitest du dich vor
Die Staatskanzlei publiziert die «Kurzbiografie Kanton Thurgau» (42. Auflage 2026) als offizielles staatskundliches Lernmaterial. Ergänzend helfen «Thurgau in Zahlen 2026» und das Merkblatt des Amts für Handelsregister und Zivilstandswesen zum Verfahren.
Frag deine Gemeinde, ob sie einen eigenen Test hat oder den GBW-Kurs verlangt. Weil das Gespräch auf Deutsch B2 stattfindet, solltest du auch komplexere Fragen verstehen und ausführlich antworten können. Übe ausserdem lokale Themen: Bezirk, Gemeindebehörden und was deine Gemeinde besonders macht.
Mit den Übungsfragen und dem Probetest auf dieser Seite prüfst du dein Wissen vor Test oder Gespräch.
Wohnsitzfrist
Im Kanton Thurgau musst du vor dem Gesuch 5 Jahre im Kanton, davon die letzten 3 Jahre ununterbrochen in der Gemeinde gewohnt haben.
Dazu kommen die Voraussetzungen des Bundes: Niederlassungsbewilligung C und insgesamt 10 Jahre in der Schweiz, davon 3 in den letzten 5 Jahren vor dem Gesuch. Die Jahre zwischen dem 8. und 18. Geburtstag zählen doppelt, tatsächlich müssen es aber mindestens 6 Jahre sein.
Quelle: Bericht des Bundesrates vom 5. November 2025 (§ 4 Abs. 1 KBüG TG)
Kosten
Kanton CHF 800 pro erwachsene Person, Gemeinde nach Tarif, Bund CHF 100.
Zu den Gebühren von Kanton und Gemeinde kommt die Gebühr des Bundes: 100 Franken für eine erwachsene Person, 150 Franken für Ehepaare mit gemeinsamem Gesuch und 50 Franken für Minderjährige.
Beispielfragen zum Kanton Thurgau
Teste dich: Tippe auf eine Antwort, um die Lösung und die Erklärung zu sehen.
Wie heisst der Hauptort des Kantons Thurgau?
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Richtige Antwort: C – Frauenfeld
Frauenfeld ist Kantonshauptort; im Regierungsgebäude tagt der Regierungsrat. Kreuzlingen und Arbon sind ebenfalls grosse Thurgauer Städte.
Quelle: tg.ch · Geprüft Oktober 2026
In welchem Jahr wurde die Zahl der Thurgauer Bezirke von acht auf fünf reduziert?
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Richtige Antwort: D – 2011
Mit der Justizreform von 2011 wurde die Zahl der Bezirke von acht auf fünf verkleinert. Die früheren 8 Bezirke und 31 Kreise waren ein Erbe der napoleonischen Zeit.
Quelle: tg.ch · Geprüft Oktober 2026
Wie werden im Thurgau die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer bei eidgenössischen Wahlen und Abstimmungen erfasst?
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Richtige Antwort: D – Als «81. Gemeinde»
Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer mit Bürgerort oder letztem Wohnsitz im Thurgau bilden bei eidgenössischen Wahlen und Abstimmungen die «81. Gemeinde». Der Kanton selbst hat 80 Politische Gemeinden.
Quelle: tg.ch · Geprüft Oktober 2026
Offizielle Unterlagen
Diese Dokumente stellen Kanton, Gemeinden oder ihre Testanbieter zur Verfügung. Bei Abweichungen gelten immer die Angaben der Behörde.
- LernunterlageKurzbiografie Kanton Thurgau - Der Staat, seine Behörden, seine Aufgaben (Staatskanzlei, 42. Auflage 2026)tg.ch
- LernunterlageThurgau in Zahlen 2026 (Amt für Daten und Statistik)statistik.tg.ch
- InformationMerkblatt: Wie werde ich Schweizer Bürger/in? Verfahrensablauf bei der ordentlichen Einbürgerung (Amt HZ, 07/2023)hz.tg.ch
- InformationOrdentliche Einbürgerung (Amt für Handelsregister und Zivilstandswesen)hz.tg.ch
- LernunterlageGBW Weinfelden: Kurs «Die Schweiz kennen und verstehen - Attest Grundwissen» (von manchen Gemeinden verlangt/anerkannt)gbw.ch
Häufige Fragen
Gibt es einen kantonalen Einbürgerungstest im Thurgau?
Nein. Die Gemeindebehörde, meist die Einbürgerungskommission, prüft die Kenntnisse mit einem Test oder im Gespräch. Viele Gemeinden haben einen eigenen schriftlichen Test. Einen kantonalen Fragenkatalog gibt es nicht.
Welches Deutschniveau verlangt der Thurgau?
Der Thurgau verlangt mehr als das Bundesminimum: B2 mündlich und B1 schriftlich.
Was kostet die Einbürgerung im Thurgau?
Das Kantonsbürgerrecht kostet 800 Franken pro erwachsene Person und 400 Franken bis 18 Jahre, mit den Eltern eingebürgerte Kinder sind gratis. Dazu kommen die Gebühren der Gemeinde und des Bundes.